Wenn Sie einen Berg besteigen wollen, dann ist es ratsam, zunächst einen Bergführer zu kaufen. Darin wird eine Route angegeben und die Tour geschildert: Atemberaubende Ausblicke und schwindelerregende Abgründe erwarten Sie und versprechen Entlohnung für die Mühen des Aufstiegs. Es wird auf die besonderen Gefahren hingewiesen, die den Aufstieg erschweren, und Sie bekommen gute Ratschläge zu Ihrer Sicherheit. Zum Schutz vor Wettersturz, Steinschlag und Lawinen hält man Sie an, allerlei Gerät (Haken, Helm, Seil und ähnliches) nicht nur mitzunehmen, sondern auch deren Anwendung zu beherrschen.
Einmal unterwegs, hoffen Sie nun auf die im Bergführer versprochenen Erlebnisse. Und nach den ersten ermüdenden Kilometern stellen Sie erschrocken fest, daß der als Ziel anvisierte Gipfel immer unerreichbarer zu werden scheint. Die Haken halten nicht in der Wand, der Ausblick ist ausgerechnet heute von Wolken verhangen, und die Stimmung in der Wandergruppe nähert sich dem Gefrierpunkt.
Wo viel versprochen wird, dort stellt sich schnell Enttäuschung ein. Das spüren auch Führungskräfte, die sich mit Wissensmanagement auseinandersetzen. Wissen, das zeigen Managementliteratur und Praxis gleichermaßen, ist zu einem lebenswichtigen Thema für Organisationen geworden. Es ist aktuell, weil es Organisation, Mensch und Computer verbindet. Und weil Führungskräfte beim Umgang mit Wissen in der Organisation einen zunehmenden Problemdruck erleben. Davon zeugen die Wissenslücken, die Mitarbeiter bei ihrem Austritt im Unternehmen hinterlassen, ebenso wie die Schwierigkeiten, neues Wissen, Innovation zu generieren und das richtige Wissen an der richtigen Stelle zur richtigen Zeit parat zu haben.
Prophetische Vision und Versprechen des Wissensmanagements ist es, strategisches und kundenrelevantes Wissen in der Organisation schneller und in besserer Qualität bereitstellen zu können, um im 21. Jahrhundert den zentralen Wettbewerbsvorteil zu erlangen. Mit Wissensmanagement auf dem Weg ins nächste Jahrtausend? Die Kluft zwischen dieser Vision und dem Alltag unternehmerischer Praxis ist groß. In der Hoffnung, Wissensprobleme in den Griff zu bekommen, wird in Informations- und Kommunikationstechnologien investiert, und die Terminkalender füllen sich mit Meetings und Seminaren zum Thema. Häufig erfüllen solche Investitionen nicht die Erwartungen, die in sie gesetzt werden. Hält die Praxis des Wissensmanagements das, was die Visionen versprechen?
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