Wenn sich Organisationen mit dem Thema Wissen beschäftigen, dann wollen sie damit ihre Effizienz und/oder ihre Innovativität verbessern. Wissensmanagement ist nicht Selbstzweck. Nicht wer viel weiß, wird gewinnen, sondern derjenige, der Wissen zu nutzen vermag: "Wissen ist Geld", konstatierte kürzlich nüchtern das Manager-Magazin. Daß mit solch nutzen-orientiertem Blickwinkel viele Fragen ausgeblendet werden, ist offenkundig. Wir wollen an dieser Stelle die Perspektive erweitern und "Wissen" einmal sehr weit definieren: Alles, was ein Akteur zur Erzeugung von Handlungen, Verhalten und Lösungen verwendet (unabhängig von Rationalität und Intentionalität) läßt sich als Wissen fassen: Kenntnisse, Meinungen, praktische Regeln und Techniken, Patentrezepte, Weltbilder, aber auch Bräuche, Mythen und Aberglaube (vgl. Segler, 1985). Während Information als Ressource durch neue Technologien und Medien immer freier zugänglich wird, aber gefiltert, verstanden und bewertet werden muß, hat Wissen als bedeutungsvolle, kontextgebundene Information einen Wert für das Unternehmen, der sich direkten (ökonomischen) Meßgrößen zunächst einmal entzieht. Wissen ist mehr und etwas anderes als Geld.
Organisationen aus der Wissensperspektive zu betrachten hat durchaus einen Sinn und ist - als ganzheitlicher Ansatz - neu. Wissen ist in der Organisation ständig im Fluß, es kann identifiziert, entwickelt, erworben, genutzt, verteilt oder gespeichert werden (vgl. Probst/Raub 1996). In der Unterstützung und Gestaltung des Wissensflusses liegt die Hauptaufgabe des Wissensmanagements. Erster Schritt in Richtung eines ganzheitlichen Umgangs mit der Ressource Wissen ist es, organisationale Probleme als Wissensprobleme aufzufassen und zu definieren. Funktionale Schnittstellen werden so zu Wissensbarrieren, Mitarbeiter zu Trägern ungenutzter Qualifikationspotentiale und so manche Datenbank zum Datenfriedhof. In einem weiteren Schritt werden aus diesen Problemen Wissensziele (vgl. ebd.) abgeleitet und umgesetzt. In den Ansätzen des Wissensmanagements werden die unterschiedlichsten Instrumente diskutiert, die Beiträge zu diesem Kreislauf des Wissens leisten sollen.
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