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Haken, Helm und Seil
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System-Simulation

Die Teilnehmer an einer System-Simulation führen ein methodisch unterstütztes Spiel am Computer durch. In mehreren Schritten formulieren die Teilnehmer zunächst in strukturierten Kommunikationsprozessen ihre Fragestellung. Danach wird ein Modell dieser Fragestellung erstellt und die Variablen werden identifiziert, die aus der Sicht der Teilnehmer auf die Fragestellung wirken. Diese Systemvariablen werden miteinander vernetzt. Somit entsteht ein Systemmodell der Fragestellung als Ergebnis des Gruppenprozesses.

Im eigentlichen Prozeß der Simulation werden die Einflußfaktoren systematisch variiert. So werden systemische Zusammenhänge und Abhängigkeiten sichtbar. Im folgenden Beispiel wird dies anhand der systemischen Einflußgrößen auf die Personalführung einer Organisation erläutert.

Systemmodell "Führung"

Das Ergebnis einer System-Simulation zeigt die zeitliche Veränderung der einzelnen Systemvariablen. Diese können durch Steuerinputs, z. B. nach der Idee: "Was passiert, wenn wir die Variable `Belegschaftsinteressen´ vernachlässigen?" beeinflußt und verändert werden. Wesentliches Ziel ist die Erkenntnis vernetzter Zusammenhänge statt isolierter Details. Hier steht nicht die Frage: "Was muß ich tun, damit..." im Mittelpunkt, sondern die Frage: "Was geschieht, wenn...". Anwendungen der System-Simulation reichen von Managementtraining über Folgenabschätzungen unternehmerischer Entscheidungen bis hin zur Simulation von Katastrophenszenarien.

Wirkungsbereiche

Der Computer kann nicht - wie der Mensch - das System reflektieren, in dem er operiert. Der intensive Dialog über die Modellstruktur, Variablen und deren Vernetzung in der Gruppe hilft, ein besseres Verständnis der firmenrelevanten Probleme zu entwickeln. Gerade diese Reflektion ist entscheidend für die Wissensgenerierung und -veränderung. Damit erst wird die System-Simulation zu einem Instrument des Wissensmanagements.

Kritische Seiten

Notwendige Ressourcen

Eine System-Simulation unter Berücksichtigung ihrer kritischen Seiten ist aufwendig. Normalerweise müssen Experten unterschiedlicher Fachdisziplinen und Organisationsbereiche zusammenkommen und in mehrtägigen Prozessen die zu untersuchende Fragestellung modellieren und interpretieren. Eine System-Simulation dauert je nach Fragestellung 5-10 Tage inklusive Analyse und Interpretation der Ergebnisse. Es nehmen meist zwischen fünf und zehn Experten teil. Die technische Seite der System-Simulation mit dem Rechner stellt einen eher untergeordneten Teil des Prozesses dar.

Anwendungsbeispiel

In einem Produktionswerk eines großen deutschen Automobilherstellers sollten bestehende Führungsprobleme durch eine System-Simulation gelöst werden. Zehn von dem Problem betroffene Teilnehmer aus unterschiedlichen Organisationsbereichen bildeten eine Projektgruppe, in der die Fragestellung "Was sind Anforderungen an Führung, Führungssysteme und Führungskräfte in der Organisation?" geklärt werden sollte. Das Ziel der gemeinsamen Arbeit bestand darin, Handlungsempfehlungen zu generieren und in konkreten Pilotprojekten umzusetzen.

Die Interpretation der Simulationsergebnisse fiel nicht immer leicht. Gleichwohl zeichneten sich "strategische Korridore" ab, innerhalb derer die zu realisierenden Maßnahmen liegen mußten. Als Ergebnis der Simulation erarbeitete die Gruppe ein ganzheitliches Modell über die vernetzten Beziehungen innerhalb des Gesamtsystems "Führung". Es wurden über 20 Maßnahmenpakete zu den folgenden Bereichen erarbeitet.

Damit war ein Grundanliegen der System-Simulation erreicht, nämlich die Beantwortung der Frage: "Was geschieht, wenn...". Ohne System-Simulation wären die Schritte zur Erarbeitung von Handlungsempfehlungen nur wenig strukturiert verlaufen. Durch den systemisch-ganzheitlichen Charakter der Simulation konnten alle Teilnehmer des Projekts genauer ihre jeweiligen persönlichen Einflußmöglichkeiten und -grenzen bestimmen.


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(c) 1997 Preissler/Roehl/Seemann
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