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Mutmaßungen zu einem überraschenden Erfolg
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2 Organisationales Lernen: Ein blinder Passagier des Wissensmanagements

Organisationales Lernen ist jedoch so harmlos nicht: Lernprozesse beinhalten stets die Möglichkeit des Unerwarteten, der unvollständigen Kontrollierbarkeit und der tiefergreifenden Veränderung. Strukturen, Rollen und Funktionen können in Frage gestellt, das Selbstbild einer Unternehmung und ihrer Akteure gestört werden. Organisationale Lernprozesse holen die Unsicherheit in ein Unternehmen.

So gesehen ist Organisationales Lernen ein untypischer, eigentlich der Organisationslogik fremder Prozess. Es ist davon auszugehen, dass soziale Systeme, wie Unternehmen, dazu tendieren, Unsicherheit zu vermeiden und zu reduzieren, Stabilität und Wiederholung zu bevorzugen (vgl. Baitsch 1993, S. 125). Mit der Etablierung organisationaler Routinen kann dies bedient werden. Denn mit jeder strukturell identischen Wiederholung der Handlungsmuster von gestern wird Erwartungs- und Handlungssicherheit für morgen hergestellt. Damit wird die Zukunft berechenbar.

In der Garantierung von Zuverlässigkeit liegt ein unschätzbarer Wert sozialer Systeme, daraus beziehen sie Abgrenzung von der Umwelt und Identität. Wird an die Systemmitglieder der Auftrag formuliert, die Beständigkeit der eigenen Organisation in Frage zu stellen, wird eine wesentliche Grundlage des Kooperierens zur Disposition gestellt. Organisationales Lernen als strategisches Programm löst Ängste aus. Wird Wissensmanagement als das dazugehörige Einfallstor gesehen, dann müßten nach obiger Logik die Realisierungschancen sinken.

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(c) 1999 Fried/Baitsch
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