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Mutmaßungen zu einem überraschenden Erfolg
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3 Wissensmanagement: Erfolg wider Erwarten oder wie?

Vor diesem Hintergrund erscheint es also zunächst wenig aussichtsreich, dass sich Konzepte wie Wissensmanagement am "Markt" durchsetzen. Warum sollte auch ein Konzept wie das Organisationale Lernen, das sich in Unternehmen nicht nachhaltig verankern ließ, durch ein anderes ersetzt werden, wenn letzteres vergleichbare Intentionen und Ansprüche hat? Es wäre anzunehmen, dass Wissensmanagement jenseits der Sonntagsreden in absehbarer Zeit ebenso in den Hintergrund der wissenschaftlichen Diskussion tritt, wie seinerseits die Versuche, Unternehmen zu lernenden Organisationen mutieren zu lassen.

Wider Erwarten jedoch erlebt die Thematik Wissensmanagement einen anhaltenden Boom, und entsprechende Aktivitäten sind an der Tagesordnung.

Klärung verschafft bereits der Blick auf die Semantik, insbesondere dann die Hinterfragung der konzeptionellen Anlage des Wissensmanagements. Betrachtet man die Qualitäten der strukturellen Elemente der Praxis des Organisationalen Lernens und der Praxis des Wissensmanagements, dann werden erhebliche Unterschiede ersichtlich. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick; sie fasst einleitend unsere Überlegungen zur Differenz zusammen.

Die Zusammenstellung macht deutlich, warum die beiden Konzepte bei potentiellen Anwendern und Klienten unterschiedliche Konnotationen hervorrufen können: Wird die Organisation als Akteur des Lernens bestimmt, so sind Verlauf und Ergebnis des Lernens nicht mehr unter zentraler Kontrolle zu halten. Objekt des Lernens ist zwar ebenfalls das Vorhandene, aber auch seine Infragestellung bzw. Außerkraftsetzung. Management, in diesem Falle das Management von Wissen, hingegen verspricht immer die Zuweisung der Steuerung an benennbare Positionen und damit an Personen; Wissensmanagement verspricht außerdem, dass bekannte Positionen und Personen Bekanntes erfassen, verwalten und gezielt zur Verfügung stellen - die Überschaubarkeit bleibt gewährleistet, Komplexität wird auf Kompliziertheit reduziert. Zielstellung von Wissensmanagement ist also die Optimierung des Bestehenden während Organisationales Lernen den Blick auch auf die strukturellen Grundlagen des eigenen Handelns richtet und entsprechende Veränderungen nicht ausschließt. In einer Kurzformel lassen sich die Unterschiede auf jene zwischen Steigerung der Effizienz und Prüfung auf Effektivität verkürzen. Für die Unternehmen und ihre Akteure ist diese Beschränkung von Wissensmanagement durchaus beruhigend.

3.1 Wissensformen: Eine notwendige Unterscheidung

3.2 Wissensmanagement und Organisationales Lernen: Überlegungen zur Differenz

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(c) 1999 Fried/Baitsch
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