Um Reichweite und Wirkungsvermögen des Wissensmanagements in Abgrenzung zum Konzept des Organisationalen Lernens zu verdeutlichen, wurde in der o. a. Tabelle eine Unterscheidung von Wissensformen aufgenommen (vgl. Baecker 1998, S. 6 - 10). Diese soll näher ausgeführt werden.
Produktwissen ist expliziter Natur und bezieht sich auf Produkte, Verfahren und die bedienten Märkte eines Unternehmens. Inhaltlich ist es von der Fragestellung bestimmt, zu welcher Problemlösung ein Produkt in welcher Form beiträgt, welche Technologien im Sinne einer möglichst fehlerfreien und kostenschonenden Produktion geeignet sind. Es beinhaltet weiterhin, in welcher Reihenfolge die Produktionsschritte ablaufen müssen, um eine ausreichende Standardisierung unter Beibehaltung von Variationsmöglichkeiten zu gewährleisten. Schließlich wird zum Produktwissen auch die unternehmerische Fähigkeit gezählt, einschätzen zu können, zu welchem Zeitpunkt der Beitrag eines Produktes zu einer Problemlösung nicht mehr ausreichend und der Produktabsatz damit nicht mehr gewährleistet ist. Produktwissen stammt in einer Organisation aus unterschiedlichen Quellen: von Mitarbeitern mit unterschiedlichsten Berufen, Funktionen und Aufgaben, von Kunden, Beratern und Partnern.
Expertenwissen umfasst das Wissen über die relevanten Umwelten einer Organisation. Die Auswahl und Bereitstellung von Expertenwissen ist meist spezialisiert, d. h. bestimmten Abteilungen, Stellen oder auch externen Beratern vorbehalten. Dieses Wissen ist notwendigerweise explizit und beinhaltet Informationen darüber, wie z. B. betriebswirtschaftliche Elemente in Organisationen anders als bisher gestaltet werden können.
Führungswissen bezieht sich auf die realen hierarchischen Strukturen einer Organisation, die tatsächliche Koordination der Arbeitsteilung, die organisationsspezifischen Standards von Autorität und Disziplin und auf die Motivationsmöglichkeiten von Mitarbeitern. Als Metawissen leitet es mittelbar das Handeln und bestimmt, wie mit dem Experten- und Produktwissen in der Organisation verfahren wird. Führungswissen ist ein selten expliziertes Wissen, und seine Explizierung geht, wie noch zu zeigen sein wird, in anderer Art und mit anderen Folgen als die des Experten- und Produktwissens einher.
Milieuwissen weist ähnliche Charakteristika wie das Führungswissen auf. Es wird selten expliziert und in der Organisation bzw. ihrem Umfeld ebenso erst durch konkrete Erfahrungen begreiflich. Das Milieuwissen umfasst ein Wissen z. B. darüber, welche Erwartungen an wen gerichtet werden können, wessen Initiativen wann erfolgreich sind, wie Kontrollmechanismen wirken und zu handhaben sind, welche Absichten in welcher Sprache an wen formuliert werden. Es ist vom Führungswissen und gesellschaftlichen Wissen nicht trennscharf abzugrenzen.
Gesellschaftliches Wissen wird in Organisationen kaum zum Thema gemacht, es wirkt jedoch als permanente Rahmenbedingung aller Wahrnehmungen und Interpretationen. Entsprechend wirkt das gesellschaftliche Wissen selbstverständlich und kaum einmal wird erkannt, wie es organisationale Entscheidungsprozesse beeinflusst. Dieses Wissen ist für Organisationen insofern relevant, als es den allgemeinen Rahmen u. a. dafür definiert, was eine Organisation ist, wie sie funktioniert, welche Verhaltensmaßstäbe innerhalb und außerhalb der Organisation gelten, was man als Mitglied einer Unternehmung von ihr zu erwarten hat und darüber hinaus auch, welche rechtlichen Vorgaben (z. B. Arbeitsverträge, Kaufverträge, Gesellschaftsformen) für Organisationen gelten.
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